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Vortrag - Frauen in der Neonazi-Szene!

08 Mai 2015

Diese Einladung geht an alle! Und ich würde mich freuen, wenn ihr die Zeit finden könntet, euch mit diesem spannenden aber auch sehr ernsten Thema auseinander zu setzen: Frauen in der Neonazi-Szene.
Über den Verein “NETZWERKFRAU” sind alle Interessierten dazu eingeladen, sich einen Vortrag von der Autorin und Expertin Andrea Röpke zu dieser Thematik anzuhören. Das Ganze findet am 10. Juni 2015 | 19.30 Uhr in der Sparkasse Lünen statt. Um Anmeldung wird gebeten unter: vorstand@netzwerkfrau.de.

 

Hintergrundinfos zu Andrea Röpke

Andrea Röpke, geboren 1965, ist Politologin und freie Journalistin. Ihr Spezialgebiet sind Nationalsozialismus und Rechtsextremismus. Neben den diversen Fernsehmagazinen wie Panorama und Spiegel TV wurden ihre Recherchen im Neonazi-Milieu auch in Spiegel, Focus und Stern veröffentlicht. (Quelle: Perlentaucher.de)

Interview mit Frau Röpke / Quelle: thueringer-allgemeine.de

Frau Röpke, spielen Frauen eine immer größere Rolle in der rechten Szene?
Ja, es sieht so aus. Frauen erkämpfen sich zunehmend Freiräume in dieser Männerbastion. Sie treten als Kommunalpolitikerinnen auf, etwa als Stadträte für die NPD in Zittau oder Chemnitz oder behaupten sich als Landeschefin der Neonazi-Partei in Rheinland-Pfalz. Bei der rechten Hooligan-Kundgebung am Samstag in Hannover konnte man Frauen als Rednerin, Liedermacherin gegen Salafisten und Einpeitscherinnen mit Megafon beobachten.

Inwiefern ist es von Bedeutung, dass sie Frauen sind?
Frauen werden gezielt zur Imageaufpolierung der Szene eingesetzt. Sie gelten per se als friedfertiger und tragen seit Jahren auf die “sanfte Tour” zur Akzeptanzgewinnung bei. Ein Beispiel sind die wirklich hetzerischen Rechtsrock-Konzerte für die ganze Familie in Leinefelde oder Sotterhausen. Weil viele Frauen mitmachen, trauen sich auch viele Sympathisanten dorthin. Da sind Frauen dabei, das kann ja nicht gefährlich sein! Dabei sind viele Frauen fanatischer als die Männer – wie das Beispiel Beate Zschäpe zeigt.

Welches Bild verkörpert sie?
Sie ist nach außen hin die ganz normale Frau von nebenan, freundlich und umgänglich. Doch tatsächlich ist sie eine äußerst gefestigte Überzeugungstäterin. Beate Zschäpe ist fester Bestandteil der Thüringer Kameradschaftsszene gewesen, sie hat sich innerhalb dieser Strukturen verradikalisiert und die gefährliche politische Überzeugung bis heute beibehalten. Sie hat sich auch nach dem Tod ihrer beiden engsten Mitstreiter zu ihrer Ideologie bekannt, ansonsten hätte sie sich stellen können, ohne die Wohnung in Brand zu setzen, zu fliehen und die Bekennervideos einzuwerfen. Jetzt schweigt sie – auch das ein Indiz für ihren Fanatismus.

Schweigen ist typisch?
Nach 1945 hat es in den alten Bundesländern viele Frauen gegeben, die besessen waren von der Ideologie des “Dritten Reichs”. Sie ebneten den Boden für den Nachwuchs, wurden nie belangt und nahmen ihre Überzeugung mit ins Grab.
Leben Frauen ihre Radikalität anders aus als Männer?
In den letzten Jahrzehnten hat es in rechtsterroristischen und militanten braunen Gruppen immer auch Frauen gegeben. So waren sie vereinzelt in der “Wehrsportgruppe Hoffmann”, in der terroristischen “Kameradschaft Süd” in München oder bei den brandschatzenden “Deutschen Aktionsgruppen” aktiv. Doch darüber gibt es kaum Aufklärung. Meistens übten rechte Frauen aber keine direkte Gewalt aus, sondern sorgten – wie beim NSU – für die Logistik, Versorgung und Abtarnung.

Also doch eher dienend?
Nicht nur. Mit dem Aufkommen der jungen dynamischen Autonomen Nationalisten, aber auch der neuen gefährlichen Mischszenen ist zu beobachten, dass Frauen sich nicht mehr nur mit der “Galeriefunktion” bei Straftaten zufrieden geben, sondern auch mitmachen. Allerdings gab es bisher keine nach Geschlecht aufgeschlüsselten Statistiken darüber. Aus Sicht von Verfassungsschutz und Polizei spielten Neonazistinnen keine Rolle – das hat sich seit 2011 geändert.

Welche Frauentypen gibt es?
Die Neonazi-Szene ist sehr heterogen. Die Erscheinungsbilder sind ein Spiegelbild der Gesellschaft. So findet man neben völkischen Zopfträgerinnen, Old-School-Skingirls, modernen Hipstern oder coolen Aktionistinnen meist die ganz normale Frau von nebenan. Oft tragen sie kleine Merkmale wie Tattoos oder Schmuck mit Runen oder Symbolen, höchstens daran sind sie äußerlich zu erkennen.

Gibt es rechte Feministinnen?
Es hat mal kurzzeitig beim “Mädelring Thüringen” den Versuch gegeben, einen “nationalen Feminismus” zu propagieren. Doch davon wurde schnell abgesehen. Tatsächlich gehören Feminismus und Gleichberechtigung zu den Feindbildern der Szene. Auch bei der Frauenorganisation der NPD, dem “Ring nationaler Frauen” (RNF), gilt “Feministin” als Schimpfwort.
Gibt es Gleichberechtigung in der rechten Szene?
Nein. Es herrscht ein biologistisches Weltbild vor, das heißt, die Geburt bestimmt über die Rollenzuteilung. Die Frau wird eher als treue Gefährtin an der Seite des starken Mannes betrachtet. Allzu emanzipierte oder ehrgeizige Frauen bekommen schnell ihre Grenzen zu spüren. Frauen behaupten sich zwar, aber sie akzeptieren auch ihre Grenzen. Auch sie verschweigen häusliche Gewalt oder Sexismus in den eigenen Reihen.

Was sind Rollenvorbilder für rechte Frauen?
Da gibt es ganz unterschiedliche. Völkische Frauengruppen verherrlichen natürlich Frauen der NS-Zeit wie vor allem Hanna Reitzsch, die Hitlers Lieblingspilotin war, oder Vielfachmütter wie Magda Goebbels, die das “Mütterkreuz” erhielten. Sie bewundern aber auch Louise von Preußen oder Hildegard von Bingen. Auch noch lebende Frauen wie die mehrfach verurteilte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck oder die Tochter von Heinrich Himmler gelten als Vorbilder. Eine führende junge NPD-Frau sagte, Ulrike Meinhof sei ihr Vorbild, weil die RAF-Gründerin eine “Überzeugungstäterin” sei.

Pretty interesting, nicht wahr?! Also, liebe Leute, wir freuen uns auf zahlreiche Anmeldungen unter: vorstand@netzwerkfrau.de!!!

Happy day – K

 

Vortrag organiseirt durch NETZWERKFRAU eV
Vortrag mit der Autorin und Expertin Andrea Röpke.

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